Auch in diesem Jahr kümmerten sich etwa 40 aktive Mitarbeiter um etwa 170 Geflüchtete, um sie bei ihrer Integration in Deutschland zu unterstützen.

Dies war eine besondere Herausforderung in diesem Jahr, ist es doch durch die Pandemie mit ihren vielen Beschränkungen aufgeteilt in ein Leben vor und ein Leben mit Coronabeschränkungen.

In dem ersten Tagen des Jahres freuten sich einige Kinder darüber, bei den Sternsingern mitlaufen zu dürfen. Nicht alle kannten diese Tradition, doch von Mal zu Mal sangen die Kinder begeisterter mit und hoffen, im nächsten Jahr wieder mit dabei sein zu können.

Die Jugendlichen begeisterte ein Filmprojekt . In diesem kommen geflüchtete und einheimische Jugendliche und junge Erwachsene der Schönbuchlichtung zu Wort. In kurzen Statements erzählen sie, an welchen Orten sie sich wohl fühlen und ein Stück Heimat gefunden haben. Die Dreharbeiten für den inzwischen fertigen 30 minütigen Film übernahm Andreas Harr aus Weil im Schönbuch und ist unter folgendem Link zu sehen: https://www.holzgerlingen.de/de/aktuelles/meldungen/Interkulturelles-Filmprojekt.php    

 Mitte März begannen die durch die Coronapandemie bedingten Einschränkungen. Wir sind froh, um die von der Gemeinde angemietete Halle. Dort haben wir uns bis dahin regelmäßig im Café getroffen, Kleiderkammer, Fahrradwerkstatt, Nähstube, und Hausaufgabenhilfe waren im vollen Betrieb. Nun sind alle diese Aktivitäten zusammen mit den Geflüchteten nicht mehr wie gewohnt möglich.

 In der Erwartung, dass es eine Maskenpflicht geben würde, begannen die Frauen der Nähstube schon zeitig zu planen, um genügend Masken für die Geflüchteten und unsere Mitarbeiter zur Verfügung zu haben. Inzwischen wurde allgemeiner Bedarf angemeldet.

Da bis heute noch nicht gemeinsam in der Nähstube genäht werden kann, nähen acht Frauen aus Syrien, Iran ,Afghanistan und Deutschland jeweils zuhause; Nähmaschinen, Stoff, Nähgarn, Hosengummi und einiges mehr bekam jede nach Hause, und so können in der Nähstube viele Masken genäht und über die beiden Apotheken im Ort verteilt werden.

In der Hausaufgabenhilfe sahen wir nur die Möglichkeit, alle Kinder so gut wie möglich über Chats und Handy zu unterstützen, um Fragen in Mathe, Englisch, Deutsch, BNT, Geschichte und Geografie zu beantworten. Diese Erklärungen am Telefon waren sicher für alle eine Herausforderung.

Wir hatten viel Unterstützung durch die Lehrer: Unterrichtsmaterial als Kopien, Aufnahme in Email-Verteiler der Klasse, Zugriff auf die Dropbox oder auch Telefonate bei Schwierigkeiten.

Am spannendsten war für uns alle sicher das Lesen. Wie kann man sicher sein, dass die Schüler die im Deutschunterricht vorgegebene Lektüre auch lesen und wirklich verstehen?

Und so lasen wir Satz für Satz laut am Telefon, erklärten unbekannte Wörter und Redewendungen. Die Aussage: „Jetzt wird das Buch spannend und macht richtig Spaß“ hat uns sehr gefreut!

Seit Mitte Juni treffen wir uns mit den Kindern wieder in der Halle, um Hausaufgaben zu machen . Um kleinere Gruppen zu haben, trennten wir die älteren von den jüngeren Schülern und merkten schnell, dass alle  – die Kinder und auch wir – von dieser Trennung profitierten.

Diese kleinen Gruppen ermöglichten es uns nach den Sommerferien, unser Angebot auf Schüler auszuweiten, die aufgrund Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache Probleme bei den Hausaufgaben haben. Das hat bei den Lehrern wie bei den Eltern großen Anklang gefunden und die Gruppe ist stark angewachsen.

Durch die neuen Kontaktbeschränkungen, die seit November gelten, mussten  wir unsere Unterstützung zeitlich kürzen und so umplanen, dass sich immer 2 Gruppen à 2 Haushalten in den verschiedenen, entfernt voneinander liegenden Räumen aufhalten.

Der Wunsch sich zu treffen war auf allen Seiten groß. So entstanden im Sommer  Gruppen, die sich bis Anfang November jeweils wöchentlich trafen.

In der Gruppe „Deutsch sprechen für Frauen“ wurde „Ali Baba und die vierzig Räuber“ gelesen. Ein Märchen, das den meisten inhaltlich bekannt ist, so dass sie sich voll auf die deutsche Sprache konzentrieren können. Satz für Satz wurde gelesen und unbekannte Wörter erklärt. 

In der Gruppe „Deutsch sprechen für berufstätige Männer“ sind die Sprachkenntnisse sehr unterschiedlich. Es werden Rollenspiele geübt, ein Tagesablauf besprochen oder von der Arbeit erzählt.

Auch in der Fahrradwerkstatt und Kleiderkammer gibt es keine „normalen“ Öffnungszeiten mehr.  Um so wichtiger ist es, dass dafür Einzeltermine vergeben werden.  Dabei werden gespendete Kleider, Haushaltsgegenstände und Fahrräder weitergegeben. Dadurch gibt es Kontakte, die meist mit weiteren Gesprächen und Hilfen verbunden sind. Gerade jetzt ist das besonders wichtig.

Viele der Geflüchteten fühlen sich hier zuhause und haben Arbeit gefunden oder eine Ausbildung begonnen. Weiler Betriebe, die Flüchtlinge eingestellt haben sind mit deren Arbeit zufrieden und hoffen, dass sie bleiben können.

Der Wegzug unserer langjährigen Sprecherin Gerlinde Hiller ist für den AK ein großer Verlust .

Vor gut 5 ½ Jahren war sie Mitgründerin des Arbeitskreises und ist seitdem verlässlicher Ansprechpartner, Vorbild für andere und Freundin. Mit viel Ausdauer, Toleranz und einer positiven Einstellung – mit viel Liebe, Herz und Verstand packte sie Dinge an. Wichtig waren ihr immer die Menschen, für die sie einen Rat, ein liebes Wort oder eine Idee hatte.

Sie sagt: „Für mich gehört ein solcher Einsatz zum Leben. Bringt euch irgendwie ein! Es kommt so viel zurück. Die Arbeit im AK ist für mich wie ein Geschenk“.