Seit Dezember 2010 ist Kogularajh K. jetzt in Deutschland. Sein Asylantrag wurde 2011 abgelehnt, obwohl er im Bürgerkrieg miterleben musste, wie sein Elternhaus geplündert wurde und seine Eltern ums Leben kamen. Nach Beratung mit einem Anwalt wurde widersprochen und Klage eingereicht – alles wurde abgelehnt. 

Seit 2015 lebt Kogul in Weil im Schönbuch und wird vom Arbeitskreis Weiler Flüchtlingshilfe begleitet.

Ich selber lernte Kogul im Rahmen eines schon bestehenden Sprachkurses im Gemeindehaus Obere Halde kennen – wie ich schnell merkte, einen ruhigen, freundlichen, immer hilfsbereiten Menschen.

Immer wieder war es ihm möglich Arbeit zu finden, bei einem Maler, beim TÜV oder beim Bäcker. Leider bekam er nie eine Arbeitserlaubnis.

Anfang 2017 stellten wir einen Antrag bei der Härtefallkommission. Allein in Weil gab es an die 90 Menschen, die ihre Unterschrift abgaben, um diesen Antrag zu unterstützen. 

Dann versuchten wir Paten und Freunde eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, wenigstens für die Zeit, bis die Härtefallkommission ihre Entscheidung gefällt hätte. Leider wurde dies abgelehnt, genauso wie der Antrag bei der Härtefallkommission. Eine Erklärung oder Begründung gab es dazu nicht – das ist bei diesem Verfahren so üblich.

Wieder eine Enttäuschung für Kogul zu verdauen und auch wieder die Frage: „Warum will mich der Staat nicht?“

Dann war es für Kogul Ende 2017 möglich, sich aus Sri Lanka eine ID Karte zuschicken zu lassen. Mit dieser sollte das Regierungspräsidium nun einen Pass beschaffen. Seine Ausreise, aber auch seine Abschiebung würde damit möglich. Zugleich machte uns die hiesige Ausländerbehörde auf die Chance einer Ausbildungsduldung aufmerksam.

Kogul versuchte die Ausbildungsduldung zu erhalten. Innerhalb weniger Tage fand er einen Ausbildungsplatz in einer großen Bäckerei, besuchte sogar schon die Schule. Doch erneut gab es eine Ablehnung vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe. Die Begründung: „Nichtmitarbeit bei der Passbeschaffung.“ Wir versuchten einen Gesprächstermin bei der Sachbearbeiterin zu erhalten – keine Chance.

Nun blieb nur noch die „freiwillige Ausreise“ anstatt Abschiebung, um alles Notwendige für die Rückkehr vorzubereiten. Im Landratsamt bekam er gute Beratungen über die Unterstützung durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) und andere Reintegrationshilfen.

Die Rückreise wurde also geplant – Sachen für Sri Lanka gepackt, in einen Container verladen und verschickt. Dann begann das Warten. Wie lange würde Kogul noch bleiben können? Wann würde der Pass da sein? Es passierte – nichts. Im August 2018 entschied sich Kogul selbst nach Berlin zu fahren und einen Pass zu beantragen. Zwei bis sechs Monate würde es dauern, bis er da wäre, so die Auskunft in der Botschaft.

Dann veränderte sich die Situation: Plötzlich, im November, erhielt Kogul eine Arbeitserlaubnis auf Grund seiner Mitwirkung bei der Passbeschaffung. Und innerhalb weniger Tage hatte er einen festen Arbeitsvertrag in einer Pizzeria. Damit bestand die Möglichkeit, einen Antrag auf Bleiberecht zu stellen. Über diesen würde im Landratsamt entschieden, und dies wahrscheinlich innerhalb der nächsten 1-2 Wochen. „Konnte das sein?“ Wir alle waren sprachlos, doch von Sean McGinley, Flüchtlingsrat Ba-Wü, bekamen wir die Bestätigung dafür.

Am 4. Februar waren wir dann im LRA, der Antrag war genehmigt. Kogul darf bleiben. Für alle eine Riesenfreude und Erleichterung. Bis zuletzt hatten alle gebangt und gehofft und hatten keine Ahnung, wie die Ausländerbehörde entscheiden würde. 

Und dann erlebten wir die nächste Überraschung. Die Aufenthaltserlaubnis, die er erhielt, gilt nicht für ein Jahr, sondern gleich für zwei: bis 2021!!…

Nun war Koguls Ziel, seine Frau zu sich nach Deutschland zu holen. Keine Kleinigkeit –  hatten sie beide dafür doch einige Bedingungen zu erfüllen. Zu den Auflagen gehörte zum Beispiel ein gültiges Visum, der Nachweis von Deutschkenntnissen, eine bestimmte Wohnungsgröße und ein vorgegebenes Mindesteinkommen.

Seine Frau Sutha besuchte also in Sri Lanka  einen Deutschkurs, die Prüfung im Dezember 2019 bestand sie auf Anhieb. Nun konnte sie endlich ein Visum für Deutschland in der Botschaft beantragen. Nach der Antragstellung begann das Warten. Die  Hoffnung war, dass Sutha vielleicht schon zu Ostern hier sein könnte.

Doch dann brach die Pandemie mit allen ihren bekannten Folgen aus. Dazu gehören die Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln, Schließung der Grenzen, Schulen und eben auch der Botschaften. Es gab keine Möglichkeit zu erfahren, ob der Visumsantrag wohl genehmigt werden würde oder nicht. Wir alle stellten uns auf eine lange Wartezeit ein. Unsere Hoffnung war: „Vielleicht, wenn alles gut geht, noch im Herbst. Oder erst nach einem weiteren Jahr?“ so die ganz große Befürchtung.

Eines Tages, irgendwann Ende Juni erzählte Kogul: „Suthas Freunde aus dem Sprachkurs haben jetzt alle ihr Visum bekommen und sogar schon einen Flug für Ende Juli gebucht. Nur Sutha weiß noch nichts.“  Nun galt es in der Botschaft fragen, wie die Entscheidung über den Visumsantrag ausgefallen war. Kurz darauf überraschte er uns alle im AK mit der Info „Sutha hat das Visum bekommen, und kann jetzt sogar mit ihren Freunden aus dem Sprachkurs zusammen fliegen“ Alle waren sprachlos. So schnell sollte das nun plötzlich alles gehen?

Ende Juli kam Sutha dann in Deutschland an. Sie und Kogul waren überglücklich. 

Gleich im August bemühten sie sich um einen Deutschkurs für Sutha, doch die Wartezeiten dafür waren lang. Endlich, für einen Kurs, der im Dezember beginnen sollte, bekam Sutha einen Platz. Zwar musste dieser Kurs, wie viele andere auch, mit Beginn des erneuten Lockdowns monatelang pausieren, aber Sutha nutzte die Möglichkeit der Onlinestunden und schriftlichen Aufgaben. 

Jetzt freut sie sich, dass der Kurs wieder in Präsenz läuft – ist doch das gemeinsame Lernen der Sprache ein großer Schritt zur Integration.

Auch die berufliche und die Wohnsituation hat sich verändert. Seit Anfang Februar hat Kogul einen Arbeitsplatz in Weil im Schönbuch. Dies war ein Wunsch des Paares, haben sie doch in Weil viele Freunde.

Passend dazu fanden beide eine Wohnung, in der sie sich sicher lange wohlfühlen werden.

Ein langer Weg hat sich gelohnt.