+49 (0)178 – 1569294 mail@weiler-fluechtlingshilfe.de

Seit Jahren wird über Migration und Flüchtlinge diskutiert. Doch über welche Menschen reden wir dabei eigentlich? Und was haben sie erreicht?

E. gehört zu ihnen. In Afghanistan hat er als Schneider und in der Landwirtschaft gearbeitet. Er fürchtete die Taliban, die ihn und seine Freunde bedrohten und schlugen – so stark, dass sogar eine Operation am Ohr nowendig wurde. Im Herbst 2015 kam er dann nach Deutschland, kurz vor Weihnachten nach Weil.

Anfangs war es wegen der fehlenden Sprachkenntnisse sehr schwierig für ihn. Doch dann lernte er über die Flüchtlingshilfe u.a. Reinhold kennen, der ihn enger begleitete und versprach: „Ich kümmere mich und helfe dir“. Zusätzlich zum 6 Monate dauernden Deutschkurs lernten sie miteinander. Dabei fand E. seine „Deutsche Familie“, zu der weiterhin Kontakt besteht.

Viele Deutschkenntnisse bekam E. über die Arbeit. 2017-2019 arbeitete er als Reinigungskraft im Krankenhaus  Böblingen. 2019 konnte er ein 3 Monate dauerndes Praktikum bei der Firma KLW Lutz absolvieren. Anschließend bekam er einen Arbeitsvertrag angeboten und arbeitet dort seitdem bis heute als Schweißer. „Ich freue mich, dort zu arbeiten“, erzählt E:. „Ich habe dort Kontakte und auch einige Freunde gefunden“:

In seiner Freizeit macht E. gerne Spaziergänge oder ist mit dem Fahrrad unterwegs. Er liebt es, zu kochen und schaut in Gesellschaft gerne Fußball.

Seine größte Sorge im Moment ist, eine andere, bezahlbare Wohnung zu finden. Wegen Eigenbedarfs muss er aus seiner jetzigen Wohnung ausziehen. Gut wäre für ihn eine Wohnung mit 2 oder 2 ½ Zimmern.

Bei Familie W. aus Sri Lanka war der Weg ein ganz anderer. Sie kamen 2017 nach Deutschland und leben seit 2018 in Weil. Das Verlassen der Heimat hatte politische Gründe, doch auch durch ihre unterschiedlichen Religionen, Christentum und Hinduismus, bekamen sie dort immer wieder Probleme.

„Wir sind hier gut aufgenommen worden“, erzählt mir der Familienvater. „Anfangs in den Sammelunterkünften war es schwierig, aber hier in Weil hatten wir dann 2 Zimmer ganz für uns.“

Beide Eltern besuchten einen ehrenamtlichen Sprachkurs der Flüchtlingshilfe. Sehr bald gab es den Wunsch, selbst Geld zu verdienen. Mit guten Englischkenntnissen machte der gelernte Kaufmann den Führerschein und fuhr 2 Jahre lang Pakete aus. Abends besuchte er einen Sprachkurs.

Gut war, dass bei beiden die kaufmännische Ausbildung anerkannt wurde, und sie mit einem Praktikum in einer Immobilienfirma in Weil im Schönbuch beginnen konnten. Hier sind sie gut integriert und haben auch Familienanschluss.

Seit 2019 arbeiten sie nun dort – zunächst als Minijob, dann in Teilzeit. „Parallel dazu machte ich Schulungen über die Arbeitsagentur“, erzählt der Familienvater weiter. „Jetzt bin ich geprüfter Immobilienverwalter und kann in Vollzeit mein Geld verdienen.“

Beide Kinder besuchten einige Jahre die Hausaufgabenhilfe der Flüchtlingshilfe. Jetzt kommen sie in der Schule gut mit.

Ihr Sohn spielt Badminton und macht gerade den Realschulabschluss. Im Herbst möchte er aufs Wirtschaftsgymnasium wechseln. Ihre Tochter besucht die 7. Klasse der Realschule und ist begeisterte Turnerin.

Ich frage nach Wünschen für die Zukunft. Lachend bekomme ich Antwort. „Wir haben doch alles! Wir sind mit 4 Koffern hier angekommen. Jetzt haben wir Arbeit, eine Wohnung und gute Freunde. Wir fühlen uns hier richtig wohl. Die deutsche Staatsbürgerschaft, die möchten wir noch beantragen, aber das braucht einfach noch ein bisschen Zeit.“