Wie kriegen wir das jetzt am Besten organisiert? Das war die Frage, die uns zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen und der Schulschließung beschäftigte, war doch dadurch auch die Hausaufgabenhilfe nicht mehr wie gewohnt möglich.

Sich neuen Lernstoff eigenständig zu erarbeiten, ist sicher für viele Schüler eine Herausforderung.

Aber was, wenn dann noch sprachliche Schwierigkeiten dazukommen?

Zu Beginn hatten wir die Hoffnung, uns wenigstens mit den Schülern der 5. und 6. Klasse persönlich treffen zu können. Doch sehr schnell stellten wir fest, dass auch diese kleine Gruppe schon zu groß ist, um eine Ansteckung sicher zu vermeiden.

Also sahen wir nur die Möglichkeit, alle Kinder so gut wie möglich über Chats zu unterstützen.

Wir hatten viel Unterstützung der Lehrer: Unterrichtsmaterial als Kopien, Aufnahme in Email-Verteiler der Klasse, Zugriff auf die Dropbox oder auch Telefonate bei Schwierigkeiten…..

Ganz großen und herzlichen Dank dafür an alle beteiligten Lehrer!!

Wir entschieden, eine Gruppe für die 5. und 6. Klasse zusammenzustellen, um Fragen in Mathe, Englisch, Deutsch, BNT, Geschichte und Geografie zu beantworten. Wie sich schnell herausstellte, ein Fehler. Zu groß waren die Diskussionen, wer was zu tun hatte, und wer welche der erarbeiteten Ergebnisse im Chat haben wollte.

Also beschlossen wir, die Kinder auf die verschiedenen Mitarbeiter zu verteilen, und den Chat für Infos oder zum Austausch zu nutzen. Das funktionierte, und funktioniert auch weiterhin, recht gut. Die Kinder kamen mit ihren Fragen in den verschiedenen Fächern zu uns. Die Herausforderung war es, herauszufinden, was nicht verstanden wurde und warum. Kannten die Kinder die Begriffe nicht? Fehlte der Wortschatz?

Wie erkläre ich etwas am Telefon? Viele Fotos darüber, wie etwas gemeint war, korrigierte Aufgaben und vieles mehr wurden hin und her geschickt. Nur ganz vereinzelt trafen sich 2 Personen, sind die Abstandsregeln beim Lernen doch oft ein Problem. Tatsächlich alle Schüler und Schülerinnen, egal in welcher Klasse, waren – und sind – motiviert, ihre Aufgaben so gut wie möglich fertig zu bekommen.

Ein Problem für uns war, dass viele Eltern der Kinder es gar nicht gewöhnt sind, Emails oder eine Dropbox zu benutzen.  Also haben wir wichtige Schreiben der Schule zu Hause ausgedruckt und den Familien in den Briefkasten gesteckt.

Am spannendsten war für uns alle sicher das Lesen. Wie schaffen wir es, Freude am Lesen zu vermitteln? Oder was müssen wir tun, dass die Kinder das Buch, das als Deutschlektüre vorgesehen ist, anfangen zu lesen? Wie ist es mit dem Leseverständnis dabei?

Ich erfuhr, dass Hannelore dies Buch mit einer Schülerin am Telefon zusammen laut las. Eine total verrückte Idee, fand ich. Das konnte ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen. Aber was für eine Alternative gab es? Allein würden meine Schüler sicher nicht damit anfangen – das wurde mir klar. Also begann ich ebenfalls mit Ihnen, das Buch am Telefon zu lesen. Satz für Satz lasen wir, erklärten unbekannte Wörter und Redewendungen und überlegten: Was ist in diesem Kapitel passiert? Und was ist wichtig für die Geschichte? Mit jedem Tag ging es ein bisschen besser. Die Aussage: „Ich glaube so geht es weiter und jetzt wird das Buch spannend und macht Spaß“ hat mich sehr gefreut!!

Auch jetzt, nach den Ferien, kann der normale Schulbetrieb, und auch die Hausaufgabenhilfe, noch nicht wie gewohnt weitergehen. Inzwischen sind wir mit den Dropboxen vertraut und auch die Familien nutzen ihre E-Mail-Accounts.Also werden wir, wie in der Zeit vor den Ferien, mit den Kindern weiterarbeiten und hoffen, dass die vielen Maßnahmen weiter helfen, und bald wieder ein geregelter Schulbetrieb möglich sein wird.