Die Aufregung  Anfang Oktober war groß in der Unterkunft in der Oberen Bachstraße. Was passiert denn jetzt mit uns? Und wo kommen wir dann hin? Ursache war die Information, dass diese Unterkunft, das Zuhause für ca. 50 manchmal bis zu 80 Personen in den letzten zwei Jahren, geschlossen werden soll – und das noch in diesem Jahr.

Hintergrund für die Umzüge ist folgender: Die Menschen in der Oberen Bachstraße werden vom Landratsamt betreut, die sogenannte Kreisunterbringung. Dort können sie zwei Jahre bleiben, gehen in die Anschlussunterbringung und werden dann von der Gemeinde betreut. Da immer mehr Menschen in die Anschlussunterbringung kommen, leeren sich die Unterkünfte der Kreisunterbringung im Landkreis. Diese sollten aber wenigstens zu 70% bewohnt werden, da sonst Zuschüsse wegfallen. Aus diesem Grund müssen viele Menschen, auch hier in Weil, in andere Unterkünfte oder in andere Orte umziehen.

Diese Menschen haben nun das Problem, dass sie wieder neu anfangen müssen. Sie haben hier Freundschaften geschlossen, VHS und ehrenamtliche Sprachkurse besucht, ein Praktikum gemacht oder Arbeit gefunden. Die Kinder gehen in Kindergarten oder Schule und besuchen verschiedene Vereine. Auch für sie ist solch ein Umzug schwierig. Integration beginnt nun einmal zuerst am Wohnort.

Am 2.10.2018 abends in der Gemeinderatssitzung berichtete der Arbeitskreis Weiler Flüchtlingshilfe und das Integrationsmanagement der Gemeinde über die Arbeit mit den Flüchtlingen. Dabei wurde vom Arbeitskreis auch die aktuell schwierige Situation in der Unterkunft Obere Bachstraße beschrieben, und es stellte sich heraus, dass Bürgermeister Lahl wie auch der Gemeinderat in keinster Weise über die jetzt veränderte Situation informiert worden waren.

Durch Gespräche / Mails des Arbeitskreises, wie auch durch die Gemeindeverwaltung, konnte erreicht werden, dass dieser extrem schnelle Umzug der Menschen ausgesetzt wurde. Erleichterung war zu spüren, aber weiterhin auch die Sorge mit der Frage: “Was wird nächste Woche? Werde ich umziehen müssen, oder darf ich hier im Ort wohnen bleiben? Was wird mit meiner Arbeit, die ich gerade begonnen habe?“

Wir Ehrenamtliche fragten: „Wer möchte in Weil wohnen bleiben? Und wer ist bereit umzuziehen? Denn auch diese Menschen gibt es. Menschen, die sagen: “Ich gehe gerne auch nach Böblingen, kenne die Unterkunft. Dort habe ich gewohnt, bevor ich nach Weil gezogen bin…“

In der folgenden Woche trafen sich Ehrenamtliche des Arbeitskreises, Mitarbeiter der Gemeinde und des Landkreises, um eine Lösung zu finden. Idee des Arbeitskreises Weiler Flüchtlingshilfe war es, dass die Gemeinde das Gebäude in der Oberen Bachstraße anmietet, damit zum einen die Integrationshilfen fortgesetzt werden können und zum anderen Wohnraum vorhanden wäre. Denn Wohnraum wird dringend gebraucht und gesucht, da die Gemeinde jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Menschen in die Anschlussunterbringung übernehmen muss. Leider war es nicht möglich, diese Idee umzusetzen, die Kosten dafür wären einfach zu hoch gewesen.

Nun haben die Menschen die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten :

  1. Umziehen und nicht genau wissen, was sie dort erwartet. Für sie beginnt damit wieder eine Zeit in der sie sich neu orientieren und an einem anderen Ort neu anfangen müssen.
  2. Sie entscheiden sich, hier zu bleiben, mit der Hoffnung auf die Anschlussunterbringung in Weil. Dies aber auch mit dem Wissen, bald in noch viel einfacheren, beengteren Wohnverhältnissen zurechtkommen zu müssen, als sie es jetzt schon tun.

Wohnungen könnten da helfen. Vielleicht haben genau Sie eine Wohnung und können sich vorstellen auch an Flüchtlinge zu vermieten. Unterstützung bei der Vermietung an Flüchtlinge sagte Bürgermeister Lahl immer wieder zu.

Wenn Sie Interesse haben, eine Wohnung oder ein Haus zu vermieten – kann auch befristet sein – wenden Sie sich bitte an die Weiler Flüchtlingshilfe.

Telefon: 07157 – 63359 oder 07157 – 61257 oder 07157 – 535980