Im Jahr 2015 suchten einige hunderttausend Menschen Zuflucht in Deutschland, so auch in unserer Gemeinde Weil im Schönbuch. Nun informierte der Arbeitskreis Weiler Flüchtlingshilfe die Presse über die jetzige Situation unserer Flüchtlinge in Weil. Dabei kamen zuerst einige Flüchtlinge zu Wort, danach Vertreter der Arbeitgeber, die Integrationsmanagerinnen der Gemeinde, sowie Mitarbeiter des Arbeitskreises.

Entgegen der Aussage „Flüchtlinge arbeiten nicht und leben nur von Sozialleistungen“, sind hier in Weil mehr als die Hälfte der Männer in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Andere absolvieren Praktika, machen eine Ausbildung oder einen Sprachkurs. Dieser ist wichtig, um die Chancen auf eine Arbeit zu erhöhen. Viele besuchen Integrationskurse der VHS, aber nicht alle haben darauf einen Anspruch. Abhängig ist dies vom Aufenthaltsstatus der Geflüchteten, aber auch vom Herkunftsland. Wer keinen Anspruch auf diese Kurse hat, kann ehrenamtliche Sprachkurse des Arbeitskreises besuchen.

So auch Ousman J. aus Gambia. Er erzählt: „Seit Oktober 2018 arbeite ich im Haus Martinus. Es begann mit einem Praktikum. Dann bekam ich einen Vertrag als Pflegehelfer. Die Arbeit gefällt mir sehr gut.“

Auch Samira T., mehrfache Mutter aus Syrien, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, arbeitet dort. Sie ist sehr froh über diese Arbeit. „Mir gefällt die Arbeit sehr“, sagt sie.

Frau Ulu, Leiterin des Hauses und Herr Schu, Leiter des Pflegedienstes, ergänzen die Berichte. „Die beiden gehören zu den Menschen, die wir im Pflegeheim brauchen.Wenn wir die Arbeitsabläufe erklären, brauchen wir zwar mehr Zeit, wegen der Sprachprobleme, aber das machen wir gern. Nur, wenn diese Menschen dann plötzlich nicht mehr arbeiten dürfen, oder gehen müssen, ist das auch für uns eine Katastrophe.

Die Bewohner hier haben keine Probleme mit der Verständigung. Der freundliche Umgang der Flüchtlinge mit den pflegebedürftigen Menschen wird von allen als Bereicherung empfunden.“

 Chandana W. ist aus Sri Lanka und kam vor 13 Monaten mit seiner Frau und zwei Kindern zu uns nach Weil. Anfangs hatte er keine Idee, was er arbeiten könnte. Er besucht einen ehrenamtlichen Sprachkurs, machte so bald wie möglich seinen Führerschein und fand Arbeit als Zusteller beim Paketdienst DHL der Deutschen Post – eine Arbeit, die ihm gefällt.

Die Kinder sind im Sportverein und im Schwimmkurs. Chandana möchte ohne staatliche  Hilfe zurechtkommen und hier friedlich leben. „Wenn die Kinder etwas älter sind, möchte meine Frau auch arbeiten“, erzählt er.

Youba C. aus Gambia arbeitet in der Baumkletterei und Gartenpflege. Sein Arbeitgeber ist sehr zufrieden mit ihm. Trotzdem hat er große Sorge, abgeschoben zu werden. Ein Problem, da man mit dieser Angst nicht frei leben kann. Helfen könnte evtl. eine Ausbildung – dafür braucht es aber mehr Sprachkenntnisse, und auf einen Sprachkurs hat er wegen seiner Herkunft keinen Anspruch.

Ein anderes Problem sind Traumatisierungen, die einige der Geflüchteten belasten. „Diese sind nicht leicht zu erkennen und ärztliche Hilfe oft unzureichend. „Damit etwas Gutes aufzubauen fällt besonders schwer“, berichten die Integrationsmanagerinnen. Bei Zeitarbeitsfirmen gibt es wegen der kurzen Arbeitsdauer das Problem des ständigen Wechsels zwischen Lohn und Sozialleistungen.

Beide Integrationsmanagerinnen in Weil erleben, dass die Geflüchteten sich integrieren und ohne staatliche Hilfen zurechtkommen wollen.„Oft müssen wir sogar bremsen“, erzählen sie, „aber zuerst ist es wichtig Deutsch zu lernen, sonst ist es zu schwierig, Arbeit zu finden.“

Mitarbeiter des Arbeitskreises ergänzen:

„Die Menschen haben finanziell nicht wirklich mehr, wenn sie arbeiten. Aber sie wollen arbeiten, und die Arbeit tut ihnen und den Familien gut.“

„Hier in Weil leben 50 und mehr Kinder, von geflüchteten Familien, eine ganz junge Generation wächst heran, kommt über Kindergarten und Schule in die Berufe. Schon jetzt sind einige der Kinder im Gymnasium, manche in den verschiedenen Schulen sind sogar Klassenbeste.“

„Um einen guten Abschluss zu machen oder weiter zur Schule gehen zu können, wird bei einigen Ehrgeizigen auch freiwillig ein Jahr wiederholt.“

All diese Dinge zeigen: Diese Menschen sind auf einem guten Weg, sich hier zurechtzufinden und sich ein eigenständiges Leben aufzubauen, wozu auch die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Integrationsmanagerinnen und dem Arbeitskreis ihren Teil beiträgt.