Wie feiert man eine syrische Hochzeit in Deutschland? Diese Frage war gar nicht so leicht zu beantworten für Nour aus Weil und Jamal aus Stuttgart, welche sich Anfang März nach islamischem Ritus das Jawort gaben.

Die 22-jährige und der 24-jährige sind in Syrien aufgewachsen und vor 2 Jahren vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Kennengelernt habe sie sich aber erst hier an der Universität in Tübingen, wo der Bräutigam nunmehr im sechsten Semester Geowissenschaften studiert. Nour wird in Tübingen ab Herbst ihr durch die Flucht unterbrochenes Chemiestudium fortsetzen und war damals zur Vorbesprechung an der Uni, als die beiden sich trafen und es sofort „funkte“.
Eine eigene kleine Wohnung zu zweit ist im Moment noch ein ferner Zukunftstraum. Nour lebt mit ihrer Mutter zusammen und Jamal wohnt im Studenten-Wohnheim.

Und so wurde die Hochzeit, für syrische Verhältnisse, sehr klein und bescheiden gefeiert. Tagelang hatte die Brautmutter und die älteren Brüder der Braut gekocht, gebacken und das Roncallihaus geschmückt. Statt der landesüblichen 200 bis 300 Personen versammelten sich ca. 40 Gäste im Roncallihaus. Kein Wunder, fehlten doch, durch den Krieg in Syrien bedingt, große Teile der beiden Familien. So mussten unter anderem die Mutter des Bräutigams und die Schwester der Braut die Feier von Damaskus aus per Handy verfolgen. Diese schmerzliche Lücke wurde von deutscher Seite so gut es ging gefüllt: Jamal hatte im Ehepaar Familie Föll-Reith in Stuttgart Freunde gefunden, die ihn in allen Belangen, ganz besonders in den schwierigen Behördengängen auf dem Weg zum Studium unterstützt hatten und darüber zu einer Art „Ersatz-Eltern“ für ihn geworden waren. Die Freude und Rührung in deren Gesichtern war echten Bräutigam-Eltern würdig.

Als Ersatz für den verstorbenen Vater der Braut fungierte Karl Weiß, der nach deutscher Sitte nach Art eines Brautvaters eine Festrede hielt. Auch er hatte in den vergangenen Jahren ehrenamtlich viel Zeit und Herzblut investiert, um Nour und ihre Geschwister, vor allen Dingen mit Sprachunterricht, aber auch in vielen anderen Belangen zu unterstützen. Den Abschluss seiner Rede bildeten ein Gedicht der Flüchtlingsfrau und Dichterin Hilde Domin, beste Wünsche für die gemeinsame Zukunft und das arabische „Inshallah!“ („Wenn Gott es will“).

Gerlinde Hiller schloss sich als Sprecherin der Weiler Flüchtlingshilfe mit Glückwünschen für das Brautpaar an. Sie dankte der Braut dafür, dass diese, nachdem sie in Rekordzeit Deutsch gelernt hatte, durch viele viele Übersetzungsleistungen sehr hilfreich zur Arbeit der Flüchtlingshilfe beigetragen hat. Anschließend ergriffen die Brautleute selbst das Wort und dankten mit warmen Worten für die viele Unterstützung, die sie seit ihrer Ankunft in Deutschland erhalten haben.

Höhepunkte waren anschließend der feierliche Tausch der Ringe, das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte und natürlich der Hochzeitstanz. Zur Mischung aus arabischer Musik und internationalen Popsongs tanzten Syrer und Deutsche gemeinsam.

So wurde die muslimische Hochzeit auf syrische Art, mit evangelischen und katholischen Gästen, im katholischen Gemeindehaus mit dem Kreuz an der Wand gefeiert, und wurde zu einem Fest der Liebe, der Völkerverständigung und der Mitmenschlichkeit.

Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit, Nour und Jamal!