Drei Augenpaare blicken mich erwartungsvoll an, als ich zu Marlene ins Haus komme. Ich erzähle, dass ich einen Bericht darüber schreiben möchte, wie sie mit Marlene Hausaufgaben machen.

Sham, neun Jahre alt, Nour und Salsabel, zehn Jahre alt, gehen alle in die dritten Klassen der Grundschule hier in Weil und machen mit Marlene zusammen ihre Hausaufgaben. Seit zweieinhalb bzw. drei Jahren treffen sie sich jeden Montag und Donnerstag.

„Normalerweise machen wir Mathe und Deutsch zusammen“, erzählt Marlene. „Die Kinder haben ihre Lerntagebücher, in denen die Hausaufgaben aufgeschrieben werden und danach arbeiten wir.“

Wichtig ist es, dass die Kinder lernen, sich und ihre Aufgaben zu organisieren. Das freie Lernzeitensystem, in dem die Kinder frei ihre Aufgaben für eine Woche machen sollen, fällt schwer – Nour hat da noch etwas nachzuarbeiten. Aber jetzt macht er erst mal Deutsch. Es geht um den Satzaufbau, wie kann ich ihn umstellen, und wie bilde ich einen Fragesatz. Er liest – überlegt – und schreibt.

„Wenn Klassenarbeiten geschrieben worden sind, schauen wir sie anschließend miteinander an  und gucken, wo Fehler gemacht worden sind“ erzählt Marlene weiter. „Es ist wichtig, darüber zu sprechen, denn die Fehler liegen dann oft am Sprachverständnis. Die Deutschkenntnisse der Drei haben sich in den letzten Jahren aber stetig verbessert.“

Sham ist fertig und beginnt in einem Buch zu lesen. Anschließend erzählt sie, was sie gelesen hat.

Nour liest am liebsten Sachbücher. „Aber jetzt habe ich mir Harry Potter in der Schulbücherei ausgeliehen,“ erzählt er stolz. „ Und das Buch ist total spannend.“

Salsabel erzählt: „In der Schule lernen wir, Briefe zu schreiben. Wir schreiben einem Klassenkameraden – dafür haben wir in der Klasse einen Postkasten, der regelmäßig geleert wird. .

Jetzt macht sie Mathe, und Marlene erklärt wie die Aufgabe gemeint ist. Es geht darum, wie viele kleine Würfel in einen großen hinein passen, und wie man schnell und einfach ausrechnen kann wie viele noch fehlen.

Sham möchte noch ein Spiel spielen und bringt ein 1x1 Spiel. „ Das 1x1 ist toll, ich war in der Klasse auch schon mal Rechenkönig,“ strahlt sie.

Marlene schaut sich die Hausaufgaben von Nour an und überlegt mit ihm zusammen: Wie muss ich was schreiben – groß oder klein? Was bedeutet das Wort? Was ist es? Ein Nomen? Über alles wird gesprochen.

Dann sind Sham, Salsabel und Nour fertig und gehen nach Hause.

Marlene erzählt mir, dass sie sich vorgenommen, hat die Kinder in der Grundschulzeit mit den Hausaufgaben zu unterstützen. Dann sind sie in Klasse fünf bestimmt so selbständig, dass sie gut und sicher zurechtkommen.