Etwa 40 Zuhörer besuchten am Mittwoch den 8. Mai die Räume der Weiler Flüchtlingshilfe, um Märchen aus aller Welt von Charles Aceval zu hören.

Der Abend begann mit einer Geschichte, die sein Onkel oft erzählt hatte. Dieser war im Krieg für Frankreich bei der Fremdenlegion und bedeutete Charles Aceval viel. Genau wie er früher, erzählte nun Charles Aceval die Geschichte „Fleur de Farine“.Fleur de Farine und ihr Sohn Jean lebten in einem kleinen Ort in Frankreich. Sie hatte ein Backhaus und backte darin Brot. Dies verkaufte sie, um davon zu leben. Als ihr Sohn 16 Jahre alt war, gab es Krieg – alle Männer zwischen 16 und 50 sollten das Land verteidigen.
Jean zog ohne Angst in den Krieg, doch Fleur de Farine war in großer Sorge um ihren Sohn. Jedes Mal beim Backen backte sie auch ein kleines Brot, dass sie an Bettler verschenkte, in der Hoffnung, ihr Sohn würde den Krieg überleben.
Eines Tages kam ein Landstreicher ins Haus. Als er ihr Brot bekam, packte er es in seine rote Tasche und sprach zu ihr: „Habe Vertrauen in Gott, dein Sohn wird wiederkommen.“ Vier Jahre lang kam er immer wieder, bis der Krieg endete. Viele Männer kamen wieder ins Dorf zurück – nur Jean kam nicht. Fleur de Farine weinte, trauerte und begann zu hassen – die Menschen, den Krieg und vor allem den Landstreicher. Sie mischte Gift in das kleine Brot für den Landstreicher.
Als er wieder in ihr Haus kam sprach er: „Heute kommt dein Sohn wieder,“ dann packte er das vergiftete Brot in seine rote Tasche und ging. Die Frau bekam ein schlechtes Gewissen, lief dem Landstreicher hinterher und tauschte das Brot.
Nachts hörte sie im Haus Geräusche – ihr Sohn war gekommen! Doch erst nach drei Tagen sprach er mit ihr. „Ich war so erschöpft, die letzte Strecke bis ins Haus hätte ich nicht geschafft. Aber da war ein Mann mit einer roten Tasche, er gab mir Brot und Trinken.“

Dann hörten wir die Geschichte „Der Kalif und der Schneider“, uns beeindruckte der „Disput ohne Worte“ und „Die Frau, die aus den Sternen kam“ – ein Märchen über Vertrauen und ein gebrochenes Versprechen.

Manche Geschichten wirkten erschreckend, zeigen sie doch die Kriegssituationen, die viele Geflüchtete am eigenen Leib erlebt haben.

Umso wichtiger ist es miteinander zu reden und einander zuzuhören. Nur so können aus Fremden Freunde werden. Diese Möglichkeit für viele gute Gespräche gab es dann anschließend bei Tee und orientalischem Gebäck. Besonders gefreut hat uns auch der Besuch von Flüchtlingshelfern aus Nachbargemeinden.

Herzlichen Dank für alle eingegangenen Spenden. Sie kommen der Weiler Flüchtlingshilfe zu Gute. Vielen Dank auch ans Landratsamt, das diese Abende finanziell unterstützt.

Neugierig gewordene und Begeisterte dürfen sich noch auf einen weiteren Märchenabend am 26.6. freuen.