Als ich in die Halle der Weiler Flüchtlingshilfe komme, herrscht dort eine gemütliche Atmosphäre und ein buntes Treiben. Einige spielen Tischkicker oder Tischtennis, in der Fahrradwerkstatt wird ein Fahrrad repariert, Kleider werden ausgegeben und in der Küche duftet es nach Kaffee.
In der Nähstube summen die Nähmaschinen, während Z. mir stolz ihr Werk zeigt. Susanne erklärt einem Mädchen, das einen Rock nähen möchte, die richtige Schneidetechnik beim Zuschneiden.
Ich frage genauer nach, und Gerlinde beginnt zu erzählen. „Die Nähstube gibt es seit Anfang 2016 – damals noch im alten Feuerwehrhaus. Dort hatten wir sehr wenig Platz, hier haben wir einen eigenen Raum, in dem die Nähmaschinen stehen. Alle Maschinen sowie das Zubehör wie Nähgarn, Stoffe, Knöpfe und vieles mehr sind gespendet worden. Die Spender kommen aus Weil, aber auch aus anderen Orten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle Spender.“

Gabriele ergänzt: „Dehnbare Stoffe zum Nähen von Kleidern für Erwachsene und Kinder sind besonders gefragt. Außerdem werden viele Kleidungsstücke ausgebessert und abgeändert.“
Zum Team gehören neun Frauen, davon zwei Geflüchtete, die sich im Wechsel jeden Donnestag Nachmittag in der Nähstube treffen. Kommen können alle, die Spaß am Nähen haben.
Auch Kinder kommen immer wieder gerne. Schon im letzten Jahr nähten Kinder Taschen und Kissen für die Eltern zu Weihnachten. Dieses Jahr sind Röcke sehr beliebt.

Gerade läuft das Projekt Einkaufen ohne Plastik,“ erzählt Gerlinde weiter. „Das sind Beutel für Obst und Gemüse, die wir aus transparentem Gardinenstoff und auch aus Baumwolle genäht haben. In den verschiedenen Läden im Ort, aber auch im weiteren Umkreis, werden sie gerne akzeptiert und benutzt. Manche Begeisterte dieser Idee habe diese weit über die Kreisgrenze hinaus getragen. Bekommen kann man diese Beutel beim Arbeitskreis Weiler Flüchtlingshilfe für einen Euro.

Eine eigene Änderungsschneiderei, das könnte der Zukunftstraum für einige der Frauen sein. Aber dafür muss noch viel überlegt und geplant werden – und die Deutschprüfungen müssen bestanden werden.
„Seit etwa einem Jahr interessieren sich immer mehr Jugendliche für die Nähstube“ erzählt Gabriele. „Zu Beginn nähen die Kinder auf Papier, danach lernen sie an einer aufgezeichneten Linie entlang zu nähen. Auch so Dinge wie messen, heften und das Schneiden muss gut geübt werden, bevor ein schönes selbstgenähtes Stück entstehen kann.“
„Für das nächste Jahr planen wir Strick- und Häkelkurse,“ ergänzt Gerlinde. „Für diese können sich die Kinder, natürlich auch die Erwachsenen, gerne anmelden.“
Susanne kommt wieder dazu und berichtet: „Der Rock des Mädchens ist fertig. Nur eine Spitze soll jetzt noch angenäht werden. Das machen wir dann nächste Woche.“
Begegnungen wie diese motivieren immer wieder neu, Geflüchtete in unserer Gemeinde weiter zu unterstützen.