Unterschiedliche Aufenthaltsberechtigungen – freiwillige Rückkehr? Zu diesem Thema hatte der Arbeitskreis Weiler Flüchtlingshilfe zusammen mit der Interkommunalen Flüchtlingsbetreuung am 20.02.2019 eingeladen.

Gerlinde Hiller begrüßte zu Beginn die Referenten des Landratsamtes Frau Sosu und Herrn Ahmetaj, begleitet von Herrn Gonther-Belge, Leiter des Amtes für Migration und Flüchtlinge, sowie Geflüchtete und Mitglieder der Arbeitskreise aus Weil, Holzgerlingen, Hildrizhausen, Steinenbronn und Sindelfingen, sowie die Integrationsmanagerin von Weil.

Zunächst berichtete Herr Ahmetaj über den Ablauf der freiwilligen Rückkehrberatung. Ihm war wichtig, dass es sich hierbei um eine völlig ergebnisoffene Beratung handelt. Den Status der Geflüchteten erfährt er erst im Gespräch von den Geflüchteten selbst. Diese Gespräche sind sehr persönlich, da jeder mit anderen Wünschen und Interessen zu solch einem Termin kommt. Auch unterscheiden sich die Situationen in den verschiedenen Herkunftsländern erheblich, gleiche Fragen sind aber immer die nach Arbeit und Wohnung.

DieGründe für eine freiwillige Ausreise sind vielfältig – möglich sind familiäre Gründe, oder der Rechtsweg ist ausgeschöpft, und es droht die Abschiebung, oder der Geflüchtete kommt in Deutschland nicht klar, sieht für sich keine Perspektive.

Vor allem aber ist eine freiwillige Ausreise immer besser als eine drohende Abschiebung. Diese wird zwar angekündigt, aber bei einer freiwilligen Ausreise bleibt Zeit, alles Notwendige vorzubereiten.

So ist es für Herrn Ahmetaj auch möglich, bei der internationalen Organisation für Migration (IOM) und anderen Organisationen im jeweiligen Heimatland noch Gelder für den Flug sowie Reintegrationshilfen zu bekommen.

Außerdem können nun im Heimatland lebende Angehörige informiert, Wohnung und Arbeit gesucht oder eine Schule für die Kinder gefunden werden. Ferner sichert die Freiwilligkeit der Ausreise die Chance einer möglichen Wiedereinreise, sofern ein deutscher Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag anbietet.

Herr Gonther-Belge, Leiter der Behörde, erklärte die Verfahren, die zum Aufenthaltstitel bzw. zur Ablehnung eines Asylantrags führen, und erläuterte auf Rückfragen Besonderheiten hinsichtlich Afghanistan und Syrien.

Generell stellte er heraus: Anwaltliche Beratung macht i.d.R. erst dann Sinn, wenn der Asylantrag abgelehnt wurde. Eine Beratung die darauf abhebt, dass die Identität eines Asylbewerbers ungeklärt bleibt, sei falsch. Bei den Verwaltungsvorschriften gibt es zwar länderspezifische Besonderheiten, das grundsätzliche Verfahren ist aber immer gleich, und die Begleiter können dabei viel Hilfe geben.

Besser sei es,im Gespräch nach guten Lösungen suchen. Dies zeigte sich auch bei den vielen Fragen an Frau Sosu, die immer wieder das Thema Arbeit und Ausbildung betrafen.

Ihr war es wichtig, dass die Identität geklärtist, Sprachkenntnisse vorliegen, und bei der Passbeschaffungmitgearbeitet wird. Nur dann kann gearbeitet oder eine Ausbildung begonnen werden.

Etwa 80% der Menschen, die arbeiten wollen, haben Papiere und bringen sie auch, trotz der Angst, genau mit diesen Papieren abgeschoben zu werden. Keine einfache Entscheidung, doch diese Mitarbeit ist wichtig, um sich weiter in Deutschland integrieren zu können. Liegt ein Pass vor, und plant der Geflüchtete eine Ausbildung, bzw. hat sie schon begonnen, kann im Fall einer Ablehnung des Asylantrags die Ausbildungsduldung greifen. Mit dieser kann der Geflüchtete seine Ausbildung beenden und anschließend noch mindestens zwei Jahre in Deutschland arbeiten.

Auch der Wechsel der Arbeitsverträge, sei es von Arbeit in Ausbildung, oder von befristeten in unbefristete Arbeitsverträge, ist kein Problem. Sie müssen nur rechtzeitig angemeldet werden.

Die zahlreich anwesenden AK-Mitglieder konnten den Eindruck gewinnen, ihr Tun wird anerkannt, und es finden sich Formen der Zusammenarbeit, die wirklich allen nützen.