Seit etwa 5 Jahren leben nun geflüchtete Menschen bei uns in Weil im Schönbuch. Sie haben Arbeit und besuchen Sprachkurse, einige absolvierten Praktika, andere begannen eine Ausbildung.

Manche arbeiten in örtlichen Betrieben in Weil im Schönbuch, z.B als als Hilfe in einer Gartenbaufirma, in der Küche, in der Buchhaltung, in einer Zimmerei, in einer Schlosserei oder im Pflegeheim. Alle sind gut eingearbeitet und die Arbeitgeber sind sehr zufrieden mit deren Arbeit.

 Doch seit ein paar Monaten haben einige dieser Männer große Sorgen. Um arbeiten zu dürfen, benötigen sie eine Arbeitserlaubnis. Und um diese zu bekommen, bzw. sie zu erhalten, wurde der Personenkreis, der kein Asyl gewährt bekam – und das sind nahezu alle Flüchtlinge aus westafrikanischen Ländern – aufgefordert, einen Pass bei der Botschaft ihres Landes in Berlin zu beantragen. Dazu braucht es oft eine Geburtsurkunde und andere Papiere, die im Herkunftsland besorgt werden müssen.

Die Männer fürchten zum einen das Risiko, das Freunde oder Familie eingehen müssten, wenn sie helfen diese Papiere zu beschaffen, und zum anderen dass sie dann abgeschoben werden.

Ich denke dabei an P, einen Mann aus Togo. Er war in Deutschland, um gebrauchte Autos zu kaufen, als seine Frau ihn anrief, um ihm zu erklären, dass er nicht zurück könne. Ihr Mann hatte sich politisch in seinem Heimatland in der Opposition engagiert – Grund genug, um bei der Rückkehr direkt in einem Gefängnis zu verschwinden. Selbst seine Frau musste inzwischen wegen Bedrohungen mit den Kindern ins Nachbarland fliehen.

Oder Y, ein junger Mann aus Gambia, der in seinem Heimatland bei einem Feuerwehreinsatz dabei war, bei dem es zu einem Unfall mit Todesfolge kam. Er fürchtet ein sehr hartes Urteil und die private Rache der Familie des Toten.

Und ich denke an B, einen Familienvater aus Nigeria. Seine Kinder sind während der Flucht geboren, und kennen Nigeria nicht. Auch er soll nun Dokumente aus den verschiedenen Geburtsländern vorlegen. Für sich selbst ist ihm das gelungen, doch für seine Frau fehlt die Geburtsurkunde, um einen Pass zu bekommen.

 Die große Angst, die diese Menschen haben, ist die Abschiebung in ihre Heimatländer.

Unter diesem Druck steht nun jeder einzelne von ihnen und muss nun eine Entscheidung treffen.

Bitten sie Familie oder Freunde um Hilfe in ihrem Heimatland um die fehlende Papiere zu beschaffen? Können sie ihnen das Risiko wirklich zumuten? Und was ist, wenn sie dann endlich einen Pass besitzen und dann in ihr Heimatland zurück geführt werden?

Eine schwierige Entscheidung.

Um die vom Innenministerium vorgegeben Rückführungszahlen zu erfüllen, entweder als „freiwillige Ausreise“ oder als Abschiebung, wird auf diesen Personenkreis mit dem „Status Duldung“ ganz gezielt Druck ausgeübt. Das Druckmittel ist die Arbeitserlaubnis, die bei Nichtvorlage der Papiere nicht verlängert wird.

Im Landratsamt sind die Geflüchteten bei ihren Ansprechpartnern bekannt, und die Mitarbeiter dort zeigen großen Einsatz, eine Arbeitserlaubnis zu ermöglichen; die Entscheidung darüber wird aber im Regierungspräsidium Karlsruhe getroffen.

 So kommt es aufgrund dieser Politik immer wieder zu einer völlig absurden Situation.

Auf der einen Seite ist ein Arbeitgeber, der händeringend Mitarbeiter sucht bzw. die eingearbeiteten Mitarbeiter behalten möchte, auf der anderen Seite ist jemand, der die Arbeit sehr gerne ausüben möchte, es aber nicht darf. Und diese Situation ist keine Ausnahme – sie trifft Hilfsarbeiter, das Handwerk oder auch den Pflegebereich.

Es wird in Kauf genommen, dass diese Menschen, die arbeiten können und wollen und Steuern und Sozialversicherung bezahlen nun wieder Sozialleistungen beziehen müssen.